von Mag. Dr. Wolfgang Schwarzbauer

Globalisierung der Wirtschaft und steigende Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologie in der Produktion waren die bestimmenden Elemente des internationalen Handels westlicher Industrienationen der vergangenen Jahre. Der Siegeszug des Internets und darauf basierender Applikationen und Services im Privatleben prägte zudem gerade in den letzten Jahren die Gesellschaft immer mehr – eine Welt ohne Google, Amazon, Facebook & Co. ist heute nur mehr schwer vorstellbar. Aktuell scheinen diese Trends zu verschmelzen – die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft prägt die aktuelle gesellschaftliche Debatte stark.

Das Bestehen in einer digitalisierten Welt setzt hohe Serviceorientierung, Flexibilität und Innovationskraft voraus – dies sind bereits wesentliche Stärken von führenden österreichischen Exportunternehmen. Vor diesem Hintergrund sind die Voraussetzungen in Österreich gut. Zweitens wird Digitalisierung den Wettbewerb im internationalen Handel über eine Vielzahl von Kanälen verändern wie z.B. durch neue digitale Produkte und Dienstleistungen. Auch hier gibt es bereits ermutigende Beispiele in der österreichischen Unternehmenslandschaft: So entwickelte ein österreichisches Unternehmen Roboter, die selbsttätig Reparaturen an gefährlichen Stellen von Ölbohrplattformen vornehmen können und deren Sensoren Gaskonzentration und andere Gefahrenquellen messen und analysieren können. Diese können auch bei Bedarf aus der Ferne gesteuert werden, im Grunde genommen arbeiten sie aber autonom.
Für das international erfolgreiche Exportunternehmen der Zukunft werden gut gebildete und zur lebenslangen Weiterbildung bereite Arbeitskräfte entscheidend sein, ebenso wie eine gesellschaftlich gut verankerte Innovationskultur. Gerade dies sind aber genau noch die Herausforderungen für die österreichische Gesellschaft.

Dies beginnt in der Schule und zieht sich bis zur beruflichen Weiterbildung hin. Anstatt gezielt Problemlösungskompetenzen zu fördern und interdisziplinäres Arbeiten zu forcieren wird im österreichischen Bildungssystem aktuell vor allem „einschlägiges Fachwissen“ vermittelt. Überspitzt formuliert erlernen Heranwachsende in der Schule bestehendes Wissen zu reproduzieren und nicht vorhandenes Wissen „smart“ zu vernetzen und daraus neues Wissen und Innovation zu generieren. Auch endet für vielen die Aus- und Weiterbildung nach der Verteilung der Abschlusszeugnisse – ständige Weiterbildung oder Lebenslanges Lernen bis ins hohe Alter ist aktuell nicht gesellschaftlich verankert.

Neben der Bedeutung der Bedeutung von und dem Anspruch an Bildung ist die Herausbildung einer innovationsfreundlichen Kultur notwendig. Der Fokus von Unternehmens- und individuellen Förderungen muss daher vor allem auf Innovationsaktivitäten liegen und sollte nur in geringerem Ausmaß andere Zielsetzungen verfolgen – egal für welche Zielgruppe von Unternehmen – vom Start-Up, über das KMU bis hin zum international agierenden Konzern.

Erst die Erledigung von diesen Hausaufgaben kann dazu beitragen, dass Digitalisierung die Außenwirtschaft wirklich positiv beeinflusst. In einem Hochlohnland wie Österreich entscheiden in Zukunft Flexibilität, Innovationsfreude und Servicequalität über die Wettbewerbsfähigkeit. Ob vor allem physische Güter produziert werden oder das Hauptbetätigungsfeld österreichischer Exportunternehmen in der Konzeption, Planung und der Servicierung ihrer globalen Produktionspartner liegen, ist nicht so entscheidend.

Die Digitalisierung birgt gerade für österreichische Exportunternehmen in wichtigen Branchen wie dem Maschinenbau viel Potenzial. Dies soll abschließend kurz skizziert werden: Serviceleistungen werden in Zukunft voraussichtlich höhere Verdienstmöglichkeiten aufweisen als die eigentliche Produktion der Maschinen. So werden beispielsweise Hersteller von Kraftwerksturbinen ihre Produkte aus der Ferne warten und können bei Bedarf via Internet eingreifen. Für kleinere Probleme stellt das Unternehmen der Belegschaft des Kunden Augmented Reality Equipment zur Verfügung, das die einzelnen Schritte der Reparatur bildlich und akustisch darstellt und zugleich das Endergebnis prüft. Selbstverständlich wird die Software immer am neuesten Stand gehalten. Zur Schulung der MitarbeiterInnen im Kundenunternehmen werden zudem Virtual Reality Umgebungen zu Trainingszwecken bereitgestellt. Letztendlich bieten diese zusätzlichen Services für das Herstellerunternehmen eine Fülle von Daten, die ausgewertet werden und zur Verbesserung der Produkt- und Servicequalität sowie der Entwicklung gänzlich neuer Produkte dienen können. Letztendlich kann dies im Extremfall auch bedeuten, dass sich ein klassisches Maschinenbau-Exportunternehmen zu einem reinen Dienstleistungsunternehmen wandelt.

Über den Autor

Mag. Dr. Wolfgang Schwarzbauer
ist Jahrgang 1977, Studium der Volkswirtschaft und der Geschichte an der Universität Wien sowie in England und den USA, und seit jeher vom wirtschaftlichen Strukturwandel – nicht zuletzt auch in einem historischen Kontext – fasziniert. Im Rahmen seiner Tätigkeit am Institut für Höhere Studien (IHS) beschäftigte er sich grundlegend mit regionalen und wirtschaftsstrukturellen Fragestellungen. Seit 2005 ist er Lehrbeauftragter an österreichischen Universitäten und Fachhochschulen.

Seit 2013 ist er im Research der Oesterreichischen Kontrollbank AG tätig und beschäftigt sich intensiv mit österreichischen Exportunternehmen und deren globale Perspektive. Gerade in diesem Zusammenhang sieht er Digitalisierung als Chance, die genutzt werden muss, um Beschäftigungs- und Wirtschaftswachstum für die Zukunft sicherzustellen.

One thought to “Digitaler Außenhandel aus österreichischer Perspektive”

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